Kommentar
Nagelprobe für Hilger

Das Thema Ortsmitte beschäftigt die Gemeinde Kirchheim nun schon seit 25 Jahren.
Die erste Planung wurde 1990, kurz bevor sie rechtswirksam wurde, mit einer Stimme Mehrheit gekippt.
Federführend bei den Gegnern war die VFW, deren Gemeinderat Heinz Hilger in der Folge Bürgermeister wurde.
Der Grund der Ablehnung lautete: zu groß und zu städtisch.
Dann wurde eine neue Planung aus der Taufe gehoben und lange Jahre einstimmig vorangetrieben.
Als es nach etlichen Änderungen an die konkrete Umsetzung ging, entdeckte Hilger plötzlich seine Abneigung gegen das Projekt. Der Grund: zu groß und zu städtisch. Es formierte sich die Wählervereinigung LWK ausschließlich mit dem Ziel, diese Ortsmitteplanung zu verhindern.

Seit der Kommunalwahl 2008 ist nun auch die Zwei-Drittel-Mehrheit im Gemeinderat dahin, welche die Bauleitplanung gegen Bürgermeister und VFW durchgesetzt hatte. Insofern ist ein Hinterfragen des Konzepts durchaus berechtigt. Vergessen darf man jedoch nicht, wie knapp die Mehrheitsverhältnisse für das Für und das Wider sind. Deswegen darf eines jetzt nicht eintreten - und das ist Stillstand. Die Gegner der bisherigen Planung müssen nun beweisen, wie ernst sie es mit einem Alternativkonzept meinen. Vor allem Hilger muss sich daran messen lassen, ob er das Projekt in seiner letzten Amtszeit tatkräftig vorantreibt. Sonst wird er als Verhinderer einer jeglichen Ortsmitte in die Ortsgeschichte eingehen.

Friedlind Lipsky
Quelle: Süddeutsche Zeitung
Nr.53, Donnerstag, den 05. März 2009 , Seite 1
Lesen Sie bitte auch: Die lästige Trennung überwinden Bitte hier klicken