Der dritte Anlauf innerhalb von 30 Jahren intensiver Planung

Auf der Suche nach der neuen Ortsmitte
Erkenntnisse einer Reise ins "Ländle" nach Ostfildern. Jeder Strohhalm zählt!

Informationsfahrt von Bürgerbeirat, Architekturstudenten und Gemeinderat nach Ostfildern bei Stuttgart am vergangenen Samstag, den 24.10.2009.
Was hat der Tag für den laufenden Ortsentwicklungsprozess gebracht?

Ein Resümee der SPD-Gemeinderäte
Ilse Pirzer und Stephan Keck.

Der seit 1992 (Zitat: "der gesamte Prozess lief immer sehr gemächlich ab") geplante und mittlerweile fast fertig gebaute (!!!) Stadtteil Ostfildern vor den Toren Stuttgarts ist kein Vorbild für unsere geplante Bebauung im "Zentralbereich" zwischen Kirchheim und Heimstetten.

Auf Grund des extra gebauten U-Bahn-Anschlusses musste eine doppelt so hohe Baudichte wie bei der bisher geplanten Ortsmittebebauung verwirklicht werden
(GFZ: Ostfildern 1,2 / Haar Jagdfeld 1,0 / bisher geplante Ortsmitte 0,5!).

Trotzdem haben sich folgende Punkte als äußerst wichtig herausgestellt.

    "Die Bürger mitnehmen": ohne die Bürger im Boot ist keine Planung durchsetzbar. Die konstante Bürgerbeteiligung, abschließend mit einem Bürgerentscheid, über jede neue Planung ist unabdingbar.
    "Klare Vorgaben für die Planer": Der Gemeinderat muss den künftigen Planern klare Vorgaben setzen, welche Inhalte (Mehrfunktionshaus , Grünflächen, Rathaus...) die Planung haben muss.
Ohne diese Vorgaben ist jeder Planungsprozess Zeit- und Geldverschwendung. Hier wird sich zeigen, wer an positiver Entwicklung interessiert ist und wer nur wünscht, dass der Planungsprozess pro Forma aufrecht erhalten wird.
    "Wer zahlt schafft an": ohne die Grundstückseigentümer als gleichwertigen Partner kann nichts erreicht werden. Jede Festsetzung in einer neuen Planung muss auf ihre Finanzierbarkeit überprüft und abgewogen werden. Was nützt uns die Planung eines 200 m breiten Grünparks wenn sie auf absehbare Zeit nicht verwirklicht werden kann?

Da unsere Gemeinde nahezu pleite ist, muss uns klar sein, dass jeder unserer Planungswünsche ein gewisse Baudichte voraussetzt.
Da in Ostfildern große Grundstücksanteile der Gemeinde gehören, wird dort jeder einzelne Bauabschnitt kurzfristig neu geplant und so den aktuellen Bedürfnissen angepasst.
Wir würden es begrüßen, wenn dies für Kirchheim künftig auch möglich wäre. Dies setzt allerdings einen partnerschaftlichen und vertrauensvolle Umgang mit den Grundstückseigentümern voraus.
Auch der Rundgang durch den Stadtteil brachte uns wichtige Erkenntnisse:
Es wurde allgemein großer Wert auch Nachhaltigkeit gelegt. Nicht nur alle öffentlichen Einrichtungen, sondern auch viele private Gebäude sind barrierefrei gebaut. Zudem ist z.B. eine Kinderkrippe bereits als späteres Jugendzentrum vorgesehen.

Die Form und Ausführung der einzelnen Bauquartiere / Häuser gefiel uns allerdings nur bedingt.
Es waren fast ausschließlich Flachdächer zu sehen. Dies war allerdings der technisch notwendigen, ausgeklügelten ökologische Regenwassernutzung geschuldet.
Da unsere Kiesböden diese Notwendigkeit nicht vorgeben, möchten wir uns ausdrücklich für optisch ansprechendere Sattel- oder Walmdächer aussprechen. Diese sind für eine ansprechende Optik entscheidender als die Frage ob es ein Stockwerk mehr oder weniger sein darf!

Der Besuch in Ostfildern bei Stuttgart war für uns lohnenswert. Wir hoffen, dass unsere Einschätzungen auch von unseren Mitreisenden geteilt werden können.


Ostfildern liegt im Zentrum der Region Stuttgart - auf den Fildern, in direkter Nachbarschaft zu Stuttgart und Esslingen. In der "Stadt der Ideen und des offenen Miteinanders" leben 37.000 Einwohner in sechs Stadtteilen. Als attraktiver Gewerbestandort hat die Stadt einen Schwerpunkt im Druck- und Medienbereich. Baedeker-Reiseführer, Falk-Straßenkarten und Hatje-Cantz-Kunstbücher kommen aus Ostfildern. Hervorragende Infrastruktur verbindet sich mit grüner Umgebung zu einem urbanen Wohnort auf dem Land. Und mittendrin der neue Stadtteil Scharnhauser Park in modernster Architektur.